Auslegung additiv gefertigter Polymerstrukturen an einem Beispiel der Medizintechnik

BildFAST-LB

Vorlesung mit Projektteil

 

Motivation und Hintergrund

Additive Fertigungsverfahren, auch bekannt als „3D-Drucken“ oder „Additive Manufacturing“ (AM), erlauben die ökonomische Fertigung individualisierter Bauteile bei gleichzeitig hoher Gestaltungsfreiheit. Damit sind sie in Branchen mit sehr geringen Stückzahlen und vielen Prototypen-Untersuchungen besonders wichtig, etwa in der Medizintechnik. Beispielsweise ist es in der Orthopädie häufig hilfreich, Schienen oder Orthesen patientenindividuell hinsichtlich Anatomie und Funktionsbedarf anzupassen. Aufgrund ihrer guten Verarbeitbarkeit, einstellbaren Eigenschaften und ihrer geringen Dichte rücken dabei zunehmend polymerbasierte Werkstoffe in den Fokus. Die zielgerichtete Entwicklung solcher maßgefertigter Polymerbauteile erfordert prozess- und werkstofftechnische Kenntnisse und kann zudem durch rechnergestützte CAE-Methoden wirksam unterstützt werden.

In der Lehrveranstaltung lernen die Studierenden die individualisierte, additive Fertigung von Polymerbauteilen kennen und wenden sie in einem semesterbegleitenden Entwicklungsprojekt eigenständig an. Dabei gibt die Lehrveranstaltung zunächst einen Überblick über etablierte AM‑Prozesstechnologien und arbeitet am Beispiel von Extrusionsverfahren die Wechselwirkung von Material, Prozesseinstellung und Konstruktion heraus. Sonderanforderungen der Medizintechnik an die Bauteilentwicklung und Materialauswahl werden in separaten Vorlesungen vorgestellt. Anschließend folgt eine anwendungsorientierte Einführung in die praktische Bauteilauslegung gedruckter Polymerstrukturen mittels Finite-Elemente-Methode (FEM). Als besonders geeigneter Ideengeber für effiziente Konstruktionslösung wird die FE-basierte Topologieoptimierung vorgestellt.

Die CAE-Auslegungsmethoden werden in Übungen gezielt praktisch vertieft. Ausgerüstet mit Prozess-, Werkstoff- und Methodenwissen bearbeiten die Studierenden in Kleingruppen abschließend ein individuelles Entwicklungsprojekt aus der Prothetik oder Orthetik. Dieses Entwicklungsprojekt umfasst die Topologieoptimierung in beschränktem Bauraum unter der Berücksichtigung von Lasten und Randbedingungen. Außerdem, die fertigungsgerechte Auskonstruktion des Bauteils und Erstellung des Fertigungsprogramms (G-Code) mittels Slicer. Zuletzt werden im Rahmen einer Bauteilprüfung des additiv gefertigten Bauteils, die Modellgüte der Simulation und Optimierung, sowie Effektivität der konstruktiven Ansätze untersucht.

Kerninhalte:
  • Überblick über additive Fertigungsverfahren (3D-Drucken, Additive Manufacturing)
  • Wechselwirkung Prozess-Material-Bauteil
  • Polymere in der additiven Fertigung:
    Materialwissenschaftliche Grundlagen, Material- und Bauteilprüfung
  • Sonderaspekte der Additive Fertigung in der Medizintechnik (Gastvorlesungen)
  • Rechnergestützte Bauteilauslegung und -optimierung (Vorlesungen u. Übungen)
  • Semesterprojekt: Auslegung, Fertigen und Prüfen eines Bauteils aus dem Feld „Medizintechnik“

Dozentin: Prof. Dr.-Ing. Luise Kärger (FAST-LB)

Teilnehmerzahl:  Beschränkt (voraussichtlich 21 Studierende)

Organisatorisches: Die Anwesenheit in der Auftaktveranstaltung am 21.04.2026 um 14.00 Uhr am Campus Ost Geb. 70.04 Raum 219 oder Anmeldung per Mail an AMMed∂fast.kit.edu bis 20.04.2026 ist erforderlich, damit die Gruppeneinteilung zeitnah erfolgen kann.

Anmeldung: über Ilias